Ein Kreuz zum Anfassen
Der 60. Geburtstag meines Mannes. Bei einer kleinen Andacht in einem Kirchenraum singen Pater Christian und ich
WeiterlesenKarin Schneider-Jundt – Liedermacherin & Autorin im Rheingau
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ToggleDer 60. Geburtstag meines Mannes. Bei einer kleinen Andacht in einem Kirchenraum singen Pater Christian und ich einige Lieder. Anwesend ist deshalb auch der Ehemann eines unserer Mitglieder aus dem Gebetskreis, der bisher seine Frau immer nur zu unseren Veranstaltungen brachte und dann draußen wartete oder zurückfuhr. Er hatte mit Kirche und Glauben „nichts am Hut.“
Bei dieser Andacht konnte er jedoch wegen der Freundschaft zu meinem Mann nicht fern bleiben und saß stumm da. Ich erzählte meine Vorstellung vom Kreuz, die teilweise sehr anders ist als die Kirche sie lehrt. Ich konnte noch nie etwas mit diesem malträtierten Korpus dran, anfangen. Der Anblick machte mir bereits als Kind Angst. In Gestalt des Kreuzes kam ja Gott einst zu meiner nach Russland deportierten Mutter, um ihr zu sagen, dass sie für mich am Leben bleiben sollte.
Für mich war folglich das Kreuz Gott, mein Vater und ich machte das Lied:
Lass uns singen, lass uns künden für den Frieden fern und nah.
Hass und Grenzen überwinden. Gottes Sohn steht segnend da.
Sieh das Zeichen unsres Vaters, einer Friedenstaube gleich.
Langersehnter Himmelsbote, Wegbereiter für sein Reich.
Wie ein Freund, der dich erwartet breitet Gott die Arme aus.
Will dich bergen, heilen, trösten. Zeigt dir still sein off‘nes Herz.
In den Stürmen deines Lebens steht er fest und aufrecht da.
Will dich stützen, dich bewahren, Gott ist deinem Herzen nah.
Wie ein Engel, der behütet, stets an deiner Seite geht,
trägt er dich auf Adlers Flügeln, und er lockt dich zum Gebet.
Will dein Kreuz sein, das gebrochen durch des Lebens Last und Schmerz.
Macht sich klein und weich und schmiegsam, damit du dich nicht verletzt.
Fürchte nicht des Kreuzes Dunkel, das die Wahrheit uns verbirgt.
Glaube an die Kraft der Liebe, die den Tod im Kreuz besiegt.
Leg dich fest in Gottes Wunden, ruh´ dich aus in seinem Blut.
Seine übergroße Liebe ist der Seele Hab und Gut.
Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Osten, Westen Nord und Süd.
Gott umschließt, durchkreuzt, verbindet. Auferstehung ist sein Sieg.
Holz des Lebens, Holz des Lichtes, Wurzelstock vom Geist getränkt.
Brot und Wein sind Himmelsgaben, die uns Gottes Liebe schenkt.
Sieh das Zeichen seiner Liebe, einer Friedenstaube gleich.
Lang ersehnter Himmelsbote – Vater, Sohn und Heil‘ger Geist.
Lass uns singen, lass uns künden für den Frieden fern und nah.
Hass und Grenzen überwinden. Gottes Sohn steht segnend da.
Komm zu mir:
Richte dich an Mir auf, hänge dich an Mich;
Ich will dein Rückgrat sein,
das man dir gebrochen hat;
fühle:
Meine Kanten sind abgerundet, damit du dich nicht verletzt.
Ich will dich tragen, bis du wieder allein
stehen kannst – Ich bin die Auferstehung.
Sie ist kantig und erinnert an das Leiden, an Schmerzen, an Angst und Tränen.
Es erscheint unmöglich, sich an dieser Seite des Kreuzes aufzurichten ohne sich zu verletzen.
Doch auch, wenn mir die Kraft fehlt, die glatte Seite des Kreuzes zu suchen, und wenn ich mich nicht mehr erheben kann, ist am Fuße dieser kantigen Kreuzesseite eine Kuhle, – in die ich mich, unsichtbar, vor anderen schützen kann, bis meine Wunden geheilt sind.
Nach der Feier war Herr Schilson wie verändert. In nächtelangem Nachsinnen entwarf er ganz detailliert die Skizzen zu diesem Kreuz, das heute unser Erkennungszeichen ist – Das „Kreuz zum Anfassen.“ Er ließ 4 Stück davon von einem befreundeten Schreiner anfertigen: Je eines für seine Frau, Pater Christian, sich selbst und mich. Es ist 20 cm hoch, aus einem schönen hellen Holz und steht in einem Ständer, gefertigt aus Weinbergs Reben.
Wir mussten von dem großen Kreuz im Laufe der Zeit viele anfertigen lassen. Wir erfuhren, dass zum Beispiel Sterbende sich daran festhielten oder Blinde.
Und meine Schwiegermutter sagte mir eines Tages: „Lach mich nicht aus, aber ich nehme es mit ins Bett.“ Danach entstand das kleine Taschenkreuz das als Erkennungszeichen des FGS wurde und das ich an einem Lederband um den Hals trug.
Herstellung: Obdachlosenwerkstätten, Diakonisches Werk, Wiesbaden, Teestube
Ein Teil des Erlöses ist für den Verein gegen sexuellen Missbrauch. Manchmal zeigten mir Obdachlose heimlich, dass sie das kleine Kreuz in der Jackentasche bei sich trugen.
Herr Schilson singt seither in unserem Singkreis, der sich mit der Zeit gebildet hat, mit. Er singt als einziger Mann und er singt richtig, obwohl er früher des Musikunterrichts verwiesen wurde, weil er alle anderen Schüler durch sein falsch singen durcheinander brachte. „Ich kann nur Deine Lieder singen“, sagt er. Es ist wieder dieses Unerklärliche, was mich immer wieder so verwirrt und zeigt, dass es keinen Sinn hat sich Gottes Willen zu widersetzen. „Ich habe die CD „Berührungen“ sicher schon 700 Mal gehört. Jedes Mal jedoch entdecke ich darin wieder etwas Neues. Sie trägt mich durch den Tag“, sagt er zu meinem Erstaunen. Und er kann nun nachts schlafen, was ihm jahrelang völlig unmöglich war und seine Ehe schwer belastete. Er und seine Frau, obwohl schwer krank, schleppen sich zu jedem Singen, weil ihnen die Lieder helfen, alles zu ertragen.
In meinem Blog beschäftige ich mich mit den verschiedenen Facetten des Lebens – von den kleinen Freuden des Alltags bis zu den großen Herausforderungen, die mich prägten.
Der 60. Geburtstag meines Mannes. Bei einer kleinen Andacht in einem Kirchenraum singen Pater Christian und ich
WeiterlesenUnd er machte mich sehr nachdenklich, weil mich ein Traum von heute Morgen beschäftigte, und ich fest
WeiterlesenÜbersetzung des Liedes/Gedichtes „Lebe!“ von Karin Schneider-Jundt ins Siebenbürgisch-Sächsische (Hermannstädter Prägung) von Hatto Scheiner
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