Sie sind es, für die ich singe…

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Mein erstes Lied entstand vor gut 15 Jahren als ich versuchte, mir ein paar Gitarrengriffe beizubringen. Keiner hätte darüber verwunderter sein könne als ich selber.

Heute sind es mehr als 160.

Damals wusste ich nicht, was damit anzufangen, da ich weder theoretische noch praktische Musikkenntnisse besaß und auch heute kaum besitze.

Doch ich erkannte, dass ich damit eine Möglichkeit bekommen hatte, mich von schwerem Ballast der Vergangenheit – aus dem Griff von

Depressionen, Panikatacken und Selbstzweifeln-  zu befreien. Sie beschreiben meinen Lebensweg. Ich offenbarte darin meine Seele.

Der Grund, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, waren anfangs Menschen aus meiner Umgebung, die mich dazu drängten.Ich könne das in Worte fassen, was sie nur fühlten und ihnen damit helfen.

Ich lernte, dass Gefühl und Begeisterung wichtiger sind und mehr bewirken können als Perfektion. Die Melodien sind einfach und eingängig, damit jeder sie mühelos nachvollziehen  kann. Sie sollen den Text lediglich untermalen.

Die folgenden Erlebnisse schildere ich, um anderen Menschen

auf der Suche nach einem sinnerfüllten Leben, oder denjenigen,

die sich in einer offenbar hoffnungslosen Situation befinden,

Mut und Hoffnung zu machen, einen Denkanstoss zu geben.

Die Erfahrungen mit meinen Liedern haben mich selber tief bewegt und mich

aufgefordert, trotz Mühsal, Zweifel und Demütigungen an ihrer Preisgabe festzuhalten.

Ich sitze in einer Strafanstalt in Thüringen am Tisch mit 15 Männern, „schwere Jungs“ zumeist, die teilweise schon mehr als zehn Jahre hier verbracht haben. Deutsche, Rumänen, Russen, Vietnamesen – ihre Köpfe sind über mein Liederbuch gebeugt, und sie singen.

Von Zeit zu Zeit läßt sich der eine oder andere von seinem Nachbarn übersetzen, was er nicht verstanden hat.

Ein junger Rumäne, der kaum der deutschen Sprache mächtig war, wünscht sich beispielweise ausgerechnet das Lied, dass ich zur Geburt eines Kindes geschrieben hatte. Auf meine Frage erfahre ich, dass er seit zwei Jahren Vater einer Tochter ist, die er noch nie gesehen hat.

Selten fühlte ich mich bei einer Veranstaltung so angenommen, so am richtigen Ort, und die Männer öffneten sich, erzählten bewegende Dinge aus ihrem Leben, zeigten sich von einer Seite, die selbst den Gefängnisseelsorger erstaunte.

Ich habe in knapp zwei Stunden schon dreizehn Lieder gesungen, denn wir veranstalten ein „Wunschkonzert“. Immer wieder erstaunt es mich, daß die Männer sich die anspruchsvollsten Texte aussuchen, die ich ihnen von mir aus nicht anzubieten gewagt hätte. Und sie bitten nach der Veranstaltung um Liederbücher und CD´s.

Als ich das erste Mal dieses Gefängnis besuchte, hatte ich zugegebenermaßen Angst. Angst allein schon deswegen ausgepfiffen und ausgelacht zu werden, nach dem Motto: „Ausgerechnet so jemand wie du will uns etwas von heiler Welt, Liebe, Vertrauen und Hoffnung erzählen…“.

Doch es kam, wie gesagt, ganz anders.„Sie vermitteln ihre hoffnungsvolle Botschaft glaubwürdig“, sagte einer der Gefangenen zu mir. Ich bin noch heute mit ihm in Verbindung, nachdem er sein „lebenslänglich“ abgesessen hat. Übrigens ein Opfer der deutschen Teilung.

Die Teilnehmer bildeten daraufhin wie ich erfuhr, eine Musikgruppe und luden mich eines Tages ein, um mir eines der Lieder vorzuführen. Ich war neugierig, welches sie sich ausgewählt hatten. Zu meinem großern Erstaunen war es das Lied „Steige aus dem Boot…der Angst, des Neides, der Trägheit und wage Dich ins Meer der Freiheit.“

Szenenwechsel

Während eines meiner Liedseminare. Ich stimme ein Lied an, von dem ich weiß, daß es unbekannt und noch auf keiner CD zu finden ist – „Weine nicht“.

Mit einemmal haken sich einige der Teilnehmer unter, wiegen sich zu der Melodie und singen mit, teilweise sogar mit Text.

Ich komme fast aus dem Takt durch die Überlegung, wie so etwas möglich ist. Hatte ich etwa unbewusst eine Melodie „gestohlen“?

Alle klatschen. Auf Nachfrage, woher sie das Lied kennen, erhalte ich als Antwort: „Wir kennen es nicht, aber es spricht so aus dem Herzen, daß man gleich mitsingen kann, als müsse es so und nicht anders klingen“.

Das höre ich von nun an oft: Wie erleichternd – endlich Lieder, die eingängig sind und auch für Laien zum Mitsingen einladen. Ein krasser Widerspruch zu den oft vernichtenden Urteilen „richtiger“ Musiker.

Etwas ähnliches geschah während eines Gottesdienstes. Einer von den Anwesenden stand bei dem Lied „Ich will leben ohne Angst“ auf sang und wiegte sich mit. Anschließend kam er zu mir und bedankte sich herzlich für dieses Lied. Das Merkwürdige daran war, dass er zu einer Gruppe Belgier gehörte, die gerade Rüdesheim besuchten und kein Wort Deutsch sprach. Aber er versicherte mir, genau gefühlt und verstanden zu haben, was ich da sang.

Es zeigte mir, dass Musik wirklich die Sprache der Seele ist, die selbst Fremdsprachen übersetzen kann.

Szenenwechsel

Anfangs war es für mich schwer zu ertragen, dass ich mit meinen Liedern oft großer Betroffenheit auslöste. „Mama, warum bringst Du die Menschen immer zum Weinen“, fragte mich eine meiner Töchter eines Tages vorwurfsvoll.

Ja, warum? Ich wollte sie doch im Gegenteil ermutigen, hoffnungsvoll und zuversichtlich stimmen.

Eines Tages entstand eines meiner schwungvollsten Lieder: „Ich will leben, lachen, singen, tanzen, frei sein…. ohne Angst“. Und ich war der Überzeugung, die Menschen damit nun endlich mitreißen und aufzumuntern zu können. Doch das genaue Gegenteil war der Fall. Bei diesem Lied flossen und fließen die meisten Tränen.

Die Zuhörer klatschen zwar,- selbst in der Kirche – oder Spaziergänger bleiben stehen, um zuzuhören. Es ist das gefragteste Lied – aber offenbar spricht es die größte Sehnsucht der Menschen an.

Dann komponierte ich ein Lied für Kinder – „Es gibt sie doch die Prinzen“ – und spielte es eines Tages einem 8- jährigen Mädchen vor, das bei uns zu Besuch war. Ich wusste, dass es das Lieblingslied von ihr und ihrem kleinen Bruder war.

„Gefällt dir das Lied und willst du es noch mal hören“, fragte ich die Kleine. Sie nickt. „Ja, sehr, aber ich muß dabei weinen“, erhielt ich zur Antwort.

Das war zuviel. Ich wußte mir keine Rat mehr und verlor jegliche Lust, mit den Liedern aufzutreten. Aber viele meiner Zuhörer redeten auf mich ein, beschworen mich geradezu und versuchten mir diese Reaktion zu erklären:

„Freue dich doch darüber. Jahrelang sehnte ich mich danach, weinen zu können – etwas ist jetzt in mir durch die Lieder aufgebrochen, ich kann wieder atmen, etwas Neues beginnt sich in mir zu regen, ich fühle mich plötzlich wie von einer Last befreit. Du hast etwas in mir berührt, von dem ich gar nicht wußte, daß ich es besitze.“

So und ähnlich lauteten die Kommentare und ich lernte mich zu fügen. „Tränen sind ein Geschenk des Himmels“, sagte ein Priester einst zu mir.

Szenenwechsel

Eine Schwester, die in einem Behindertenheim arbeitet, steht morgens um 4 Uhr auf. Als erstes legt sie sich das Lied „Gottes Traum“ auf, meditiert dazu.

Dann beginnt sie ihren schweren Dienst. Jeden Morgen wird sie von einigen ihrer Pfleglinge mit der energischen Aufforderung empfangen, das Lied „Vertrauen“ aufzulegen, dazu zu singen und zu tanzen. Danach weitere Lieder. Mein Liederbuch wird mittlerweile auswendig zitiert. – Ein Ritual –

Ein anderes geistig behindertes Mädchen kommt mittags aus der Schule und will sofort die CD „Berührungen“ hören. Sie läuft täglich bis zu fünf Stunden. Die Eltern sind entnervt, verstecken die CD und kaufen andere Musik CDs als Abwechslung. Nichts nützt. Ich bin froh, den Eltern schließlich die zweite und dritte CD anbieten zu können.

Aber mit der Zeit wird sichtbar, dass das Mädchen sich verändert. Sie beginnt Worte zu sprechen, sich auszudrücken, was sie vorher nicht konnte.

Eine Frau, die wegen eines Schocks jahrelang keinen Ton mehr gesungen hat, wird durch meine Lieder so berührt, daß sie sofort alle drei CD´s erwirbt und sie die ganze Nacht hört und mitsingt. Am nächsten Tag hat sie eine Stimmbandlähmung!

Eine Bekannte beklagt sich, daß ihr Mann ständig die CD „Berührungen“ in voller Lautstärke laufen läßt, während er seinem Hobby nachgeht. Ich bin verblüfft. Er erschien mir immer eher zurückhaltend, skeptisch und fast zynisch. Ich erkenne daran, dass man einem menschen oftmals die verletzlichen Seiten nicht ansehen kann, seine Sehnsüchte, seine Ängste. Aber Musik bringt die an die Oberfläche.

Szenenwechsel

Eine Entzugsanstalt in Thüringen.

Wieder sitze ich einer Gruppe von Männern gegenüber. Doch im Gegensatz zu den Strafgefangenen, die kamen, um Abwechslung zu haben und mich zumindest teilweise erwartungsvoll ansahen, starren diese grimmig und abweisend vor sich hin. Ich möchte am liebsten weglaufen, fühle mich völlig fehl am Platze. Nach zwei Liedern hat sich noch nichts geändert. Ich beschließe abzubrechen, als einer der Männer mich böse mich angeht: „Was nützen mir hoffnungsvolle Lieder! Kein Mensch interessiert sich dafür, wie es mir geht, ob es mich gib, und was aus mir wird. Unsereiner wird doch wie Müll behandelt und in die Tonne geworfen.“

„Soll ich lieber aufhören“, frage ich erschrocken und will aufstehen.„Nein, nein, sing ruhig weiter. Dir nehme ich ab, was Du da verkündest“, meint einer der Männer mir gegenüber und nickt mir aufmunternd zu.

Es entwickelt sich ein Gespräch, wenn auch bitter und anklagend. Aber ich bin erleichtert, dass der Bann gebrochen ist. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie einer der Teilnehmer heimlich nach einem meiner Liederbücher greift, die ich mitgebracht habe. „Möchte sonst noch jemand ein Buch“, frage ich. „Ja, ich“, ruft ein kleiner Mann, springt auf, reißt mir ein Buch aus der Hand und drückt es an sich. Ich bin erschüttert. Man sieht ihm an, dass er ein gebildeter, kluger Mensch ist, der verweifelt seinen Weg aus der Sucht zu suchen scheint.

Als ich später aufbrechen will, hält er mich fest. „Ich glaube, ich werde es schaffen“, sagt er und sieht mich mit einem flehenden Blick an, den ich nie vergessen werde. „Ich bin am 24.12. geboren. Ist das nicht ein Zeichen?“

Ein paar Monate später treffe ich eine Mitarbeiterin jener Anstalt. „Denken Sie sich“, sagt sie, “seit Ihrem Besuch wird wieder gesungen. Jahrelang hatten sich die Männer dagegen gewehrt, doch sie sagten mir, durch Sie hätten sie Hoffnung geschöpft.“

Szenenwechsel

Ich bekomme eine Kassette von einer entfernt wohnenden Bekannten, einer Lehrerin. Sie hat mein Weihnachtslied mit einer Schulklasse eingeübt und auf Wunsch der Kinder mit Orff`schen Instrumenten, Flöten und Glockenspielen eingeübt und dann in der Aula bei der Schulweihnachtsfeier vorgetragen.

Ich bin tief gerührt, als ich dieses Lied von den Kinderstimmen gesungen höre. Die Schüler liebten das Lied und sangen es jedes Jahr, solange die Lehrerin dort tätig war.

Es erstaunt mich immer wieder, wo die Lieder überall auftauchen. Eine Tanzlehrerin machte beispielsweise zu dem Lied “Lebe!“ eine Choreographie und arbeitet damit in einem Seminar. Von Zeit zu Zeit bekomme ich aus irgendeinem Teil Deutschlands die Bitte um die CD mit dem „Sonnengesang“. Anfangs wusste ich nichts mit der Anfrage anzufangen, da der Sonnengesang das Lied des Heiligen Franz von Assisi ist.

Ein gynäk. Arztpraxis in Thüringen ließ um eine Zeit die CD „Flamme des Lebens“ in den Umkleidekabinen laufen.

Szenenwechsel

Ich habe auch mehrmals bei einer Veranstaltung der ‚Initiative gegen Gewalt und sexuellen Mißbrauch an Kindern und Jugendlichen‘ gesungen. Beispielsweise die Lieder “Mädchen“, „Ich weiß ich kann es“ oder „Wach auf“ und die Betroffenen kamen zu mir, ergriffen meine Hand und sagten: „Man fühlt, daß Sie unser Leid kennen. Sie sprechen uns aus dem Herzen. Sie haben das Gleiche erlebt wie wir.“

Ja ich kenne das Leid, wenn man mißbraucht wird, wenn man „süchtig“ ist nach Liebe, Vertrauen, Glauben; wenn man gefangen ist und die Käfigtür, die einen vom wahren Leben trennt, nicht öffnen kann; wenn man Angst hat, Todesangst; aber auch. wenn man wilde Sehnsucht hat, die gelegentlich die steinerne Mauer der einsamen Kälte und Gleichgültigkeit durchbricht und dieses „Trotzdem“ in sich spürt.

Ich griff diesen Begriff auf, machte ein Lied und eine gleichnamige CD mit diesem „trotzigen“ Wort.

Ein paar Zitate aus Briefen an mich:

„… vielen Dank für die neue CD. Sie dreht sich seit Dienstag ständig dort, wo ich gerade beschäftigt bin. Morgens in der Küche, mittags am Schreibtisch und abends am Bett. Ich liebe diese Lieder genauso wie die wie die der ersten CD. Vor allem “Goldener Adler“, „Erwachen, „Frühling“ und „Steige aus” höre ich immer wieder und denke dabei an unser liebes Botschaftswochenende in Kloster Thiefenthal …“

„… deine Lieder haben in der Exerzitienwoche dazu beigetragen, dass ich mein Gleichgewicht ein wenig wieder erlangt habe. Ich hatte ein wenig die Richtung verloren. Deine Lieder berühren eine Seite in mir – und nicht nur in mir- da, wo wirkliches Leben beginnen. Du hast eine ehrbare Garbe die Tiefenschichten im Menschen zu erreichen und die Sehnsucht immer wieder neu ins Spiel zu bringen. Ein wirkliches Geschenk …“

„… Eigentlich kann ich es gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich die Lieder in der Tiefe meines Inneren bewegen. Sie geben mir nun endlich viel Kraft und Stärke und vermitteln ein “Ja” zum Leben! Die Texte sprechen oft meine eigenen Gedanken und Gefühle in Worte aus, wo ich bisher sprachlos war. Somit bin ich Ihnen von Herzen dankbar dafür, dass sie Ihre Lieder öffentlich gemacht haben! DANKE!!! …“

“.. Ich habe sofort das Liederbuch und eine CD erworben. Das Lied “Meine Seele hungert” und auch die anderen haben mir so sehr gefallen! Mir war, als wären sie extra für mich geschrieben und ich möchte mich bei Ihnen bedanken! Sie sind nicht mit Geld zu bezahlen!!! …“