Gottes Eselin

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Gottes Eselin

Eine seltsame Überschrift, nicht wahr? Doch als solche wurde ich bezeichnet, als ich mit meinen ersten Liedern zu einem befreundeten, sehr erfolgreichen Musiker ging und um Unterstützung bat. Da ich von Musik keine Ahnung habe, hoffte ich, dass er meine Lieder bearbeiten würde.

Er hörte sich die Sachen an und meinte dann streng, ich solle erst einmal auf ein Konservatorium gehen und Musik studieren.

„Aber ich will keine Musik studieren, sondern anderen Menschen lediglich mit meinen Texten Mut machen und ihnen Impulse auf ihre Lebensfragen geben. Ich möchte doch keine Hitparaden stürmen“, stotterte ich erschrocken.

„Mit 300 Worten Chinesisch kann man kein Buch schreiben“, wehrte er meine Bitte ab.

„Eine ganze Reihe Leute bat mich, die Lieder zu veröffentlichen, weil sie ihnen gerade durch ihre Einfachheit gefielen“, wandte ich zaghaft ein.

„Menschen geben sich leider oft mit Primitivem zufrieden. Beim Zuhören deiner Stücke überfällt einen eine lähmende Langeweile“, lautete die niederschmetternde Antwort. „Gott hat in seiner Großmut auch schon mal eine Eselin als Botin genommen“, war sein abschließender Kommentar.

Ich heulte, fühlte mich gedemütigt, beschämt, entmutigt und wollte nie wieder eines meiner Lieder ansehen.

Aber da war in mir dieses Wissen, dass mir Gott oder das Schicksal die Lieder als Geschenk anvertraut hatte. Und diese Überzeugung war stärker, als die Demütigung. Ich sah sie als Prüfung an. Wie ernst war es mir mit in Wahrheit mit dem, was ich in meinen Liedern so lautstarkt verkündete?

Glaubte ich tatsächlich daran, dass in jedem Menschen, auch in mir ein Schatz verborgen war, den es zu finden und zu schätzen galt?

Also kroch ich wieder aus meinem Loch hervor und bot meine Lieder in meiner Kirchengemeinde, in der ich lange tätig war, an.

Doch ich wurde abgewiesen. Die Lieder seien zu emotional. Aber ich könne stattdessen bei passenden Gelegenheiten „Hoch auf dem gelben Wagen“ und andere Volkslieder auf meiner Gitarre begleiten.

Das empfand ich als regelrechten Hohn. Gott anscheinend auch, denn er ließ seiner Eselin eine Bibelstelle in die Hand fallen:„Wo man dich nicht aufnehmen will, schüttle den Staub von deinen Füßen und geh.“ Was ich auch tat. Ganz neue Wege taten sich daraufhin auf.

Ich bin von Herzen gern Gottes Eselin.